7 Fragen zur ersten Social-Media-Partnerschaft im Kulturbereich

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Ulrike Schmid | u.s.k.

Ulrike Schmid, Inhaberin der Kommunikationsberatung u.s.k. in Frankfurt, überraschte vor Kurzem mit der Ankündigung der ersten Social-Media-Partnerschaft im Kulturbereich:  einer Medienpartnerschaft zwischen der Facebook-Seite »Würzburg erleben«, die ausschließlich im Social Web agiert, und den Bachtagen Würzburg, die zwar mit einer Homepage im Web, bisher aber noch nicht im sogenannten Web 2.0 / Social Web vertreten sind:

»Durch die Partnerschaft haben die Würzburger Bachtage die Möglichkeit im Social Web präsent zu sein und von einem anderen Publikum wahrgenommen zu werden. Mit den knapp 30.000 Fans, die die Seite [»Würzburg erleben«] hat, können sie auch ganz gezielt WürzburgerInnen ansprechen und damit auch die Reichweite erhöhen. Die Freunde der Seite Würzburg erleben sind leidenschaftliche WürzburgerInnen, finden ihre Stadt toll und interessieren sich dafür, was in ihrer Stadt los ist. Also eine perfekte Präsentationsfläche für die Würzburger Bachtage. Die Seite Würzburg erleben bietet im Gegenzug ihren Fans interessante Hinweise darauf, was in ihrer Stadt so alles passiert.«

Social Media Partnerschaft

Was steckt dahinter?

Als Pfadfinderin für Kulturwirtschaftswege wollte ich genauer wissen, was es mit dieser Social-Media-Partnerschaft auf sich hat. Deshalb habe ich Ulrike Schmid (US, u.s.k.) und Christian Papay (CP, »Würzburg erleben«) gebeten, mir ein paar Fragen zu den Hinter- und Beweggründen zu beantworten:

1. Wie kam es zu dieser Medienpartnerschaft und worin genau besteht sie?

US: Im Mai hatte ich angefragt, ob »Würzburg erleben« nicht Karten für ein Konzert mit dem Würzburger Bachchor verlosen würden. Der Vorschlag stieß bei Christian Papay und Dr. Leonard Landois vom Stadtmarketing Verein »Würzburg macht Spaß« auf Zustimmung. Um die Karten zu gewinnen, musste eine Frage zum Konzert beantwortet werden. Auf die Frage gab es 60 Kommentare, bei damals circa 20.000 Fans. Das fand ich sehr beachtlich. Und deshalb bin ich wegen der Bachtage wieder auf die beiden zugekommen. Christian Papay hatte dann die Idee einer Social-Media-Partnerschaft.

CP: Beim Recherchieren auf den Internetseiten der Würzburger Bachtage fiel mir die Rubrik Medienpartner auf. Da die Facebook-Seite »Würzburg erleben« für mich ebenfalls ein Medium ist, um Bericht zu erstatten, auf Veranstaltungen hinzuweisen usw. – wie die klassischen Medien das auch tun –, dachte ich mir, dass sich unser Logo sehr gut und zu recht neben den beiden Medienpartnern für Print und Radio machen würde.

US: Wir haben im Vorfeld, wie bei einer Medienpartnerschaft üblich, Leistungen und Gegenleistungen vereinbart. Das heißt es gibt Ankündigungen, Verlosungen, Fotos von den Bachtagen etc. auf der Facebook-Seite »Würzburg erleben« und von unserer Seite die Nennung »Seite an Seite« mit den beiden anderen Medienpartnern Main-Post und BR Klassik.

2. Wer steckt eigentlich hinter der Facebook-Seite »Würzburg erleben«?

CP: Als es im Jahr 2008 zum ersten Mal möglich war, Facebook-Seiten zu erstellen, gab es noch keine für Würzburg. Prompt holte ich das nach. Die ersten Jahre lief das so vor sich hin, bis ich im Mai 2010 bei der Fanzahl von 7.000 den Schritt zum Stadtmarketing Verein »Würzburg macht Spaß« gemacht habe und eine Kooperation eingegangen bin. Der Geschäftsführer Dr. Landois war von der Facebook-Seite und den sozialen Medien so begeistert, dass wir es uns neben unserer normalen beruflichen Tätigkeit zur Aufgabe gemacht haben, die Seite gemeinsam zu professionalisieren. Heute haben wir knapp 28.000 Fans und arbeiten mit vielen Freelancern und Kooperationen zusammen, um die Seite immer attraktiver zu gestalten.

3. Welchen Vorteil die Bachtage von dieser Medienpartnerschaft haben, wird schnell klar. Aber wovon profitiert die Facebook-Seite »Würzburg erleben«?

CP: Welchen Stellenwert soziale Medien im Moment schon in unserem täglichen Leben haben und zukünftig haben werden, ist in den Köpfen der Leute noch nicht wirklich angekommen – trotz der 800 Millionen Mitglieder bei Facebook und der ständigen Präsenz in den Medien. Wenn unser Logo neben denen von Print und Radio auftaucht, ist das eine klare Ansage. Dieses Signal zu setzen, ist besser als jeder Profit.

4. Sind mit dem neuen Social-Media-Partner exklusive gemeinsame Kampagnen oder Events geplant, von denen nur die Fans von »Würzburg erleben« etwas mitbekommen/profitieren?

US: Spezielle Events haben wir für dieses Jahr noch nicht angedacht. Es handelt sich schließlich um die erste Social-Media-Partnerschaft überhaupt. Insofern müssen wir auch erst mal sehen, wie alles funktioniert und wie das Interesse ausfällt. Je nachdem wie die Partnerschaft von den Fans angenommen wird, ist das fürs nächste Jahr durchaus denkbar.

CP: Das ist richtig. In der Tat müssen wir schauen, wie so etwas angenommen wird. Dennoch glaube ich, dass es eine gewisse Zielgruppe gibt, die einerseits für die Würzburger Bachtage aufgeschlossen ist, durch die klassischen Medien aber nicht mehr erreicht wird. Warum nicht eine Aktion speziell für Studierende gestalten, um sie für die klassische Musik zu begeistern, die dann exklusiv über Facebook läuft?

US: Warum nicht? Wenn es auf Interesse stößt, steht einer Fortsetzung von unserer Seite aus nichts im Wege.

CP: Wir sind immer für jeden Spaß zu haben ;-)

5. Wird es auf der Seite »Würzburg erleben« auch eine redaktionelle, begleitende Berichterstattung zu den diesjährigen Bachtagen geben?

CP: Bereits sehr früh haben wir das Format „Chris & Leo“ ins Leben gerufen. Soziale Medien arbeiten sehr stark mit Fotos und Personen. Stories und Meinung müssen ein Gesicht bekommen. Das machen Dr. Landois und ich für viele Bereiche, wie zum Beispiel Eröffnungen und Premieren etc. Der Monteverdichor Würzburg und das Würzburger Mozartfest waren auch schon dabei. Was wir bei den Würzburger Bachtagen machen? Da schauen wir mal, was uns Verrücktes einfällt.

US: Wir wollen ja noch nicht alles verraten – »Chris & Leo« alias Christian Papay und Leonard Landois werden auf jeden Fall die Gelegenheit haben, an einer Generalprobe teilzunehmen und den künstlerischen Leiter zu interviewen. Möglicherweise werden ein paar O-Töne eingefangen und als Erfahrungsbericht veröffentlicht.

6. Werden sich die Bachtage bei Facebook selbst auch zu Wort melden und z. B. auf Kommentare antworten oder wird nur vom Social-Media-Partner über sie berichtet, ähnlich wie bei den klassischen Medienpartnerschaften?

US: Klar, wenn es Gesprächsbedarf gibt, werde ich mich, stellvertretend für die Würzburger Bachtage, einschalten und Fragen beantworten. Das wird ausschließlich über die Facebook-Seite »Würzburg erleben« laufen, da die Würzburger Bachtage selbst nicht im Social Web präsent sind.

7. Ist die Social-Media-Partnerschaft mit »Würzburg erleben« für die Bachtage ein erstes Reinschnuppern ins Social Web, das eventuell später in eigenen Social-Media-Aktivitäten münden wird?

US: Ein erstes Reinschnuppern auf jeden Fall. Inwieweit die Partnerschaft dann in eigene Social-Media-Aktivitäten münden, müssen wir sehen. Will man Social Media richtig machen, ist es ja sehr zeitintensiv. Und unsere zeitlichen und finanziellen Mittel sind beschränkt.

~~~

So weit Ulrike Schmid und Christian Papay zur ersten Social-Media-Partnerschaft im Kulturbereich. Herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten!

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Partnerschaft entwickelt und wie die Social-Web-Community auf dieses Angebot reagieren wird. Außerdem bin ich gespannt, ob es eine Reaktion der »klassischen« Medienpartner auf den Juniorpartner geben wird. Die Main-Post ist selbst ja auch mit einer Seite im sozialen Netzwerk Facebook vertreten, eine Möglichkeit zur Interaktion wäre hier also gegeben.

Die Kulturwirtschaftswege wünschen dem Projekt jedenfalls viel Erfolg und werden natürlich auch weiter darüber berichten.

 

 

 

6 Kommentare

  1. War mir ein Vergnügen, dir die Fragen zu beantworten.
    Halte dich auf dem Laufenden.

  2. Vielen Dank für das tolle Interview. Jederzeit gerne wieder.

    • @Ulrike und @Christian: Ich danke euch für die interessanten Hintergrundinformationen. Dein Statement, Christian, dass du die Facebook-Seite als gleichwertiges Medium neben Print und Radio siehst, birgt ja durchaus Zündstoff für die derzeit etwas abgeebbt erscheinende Debatte um Qualitätsjournalismus. Hier wäre es natürlich besonders spannend zu erfahren, was die »klassischen« Medienpartner dazu meinen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es ohnehin nicht langweilig werden wird, eure Social-Media-Parnterschaft zu verfolgen. Ich mache dann gerne ein Nachfass-Interview mit euch.

      • Die Frage ist ja auch, ob die „klassischen Medienpartner“ dies überhaupt mitbekommen. Vermute mal eher nein. Sie bekommen es erst dann mit, wenn sie das Programmheft und neben ihrem Logo das von „Würzburg erleben“ sehen.

        Was die Berichterstattung im Vorfeld angeht, so ist „Würzburg erleben“ sicherlich als gleichwertiger Partner zu sehen. Bei den Konzertbesprechungen setze ich dann doch mehr auf die beiden „klassischen“ Partner – muss ich ehrlich zugeben.

        Wir sind bereit. ;-)

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