Eisprinzessin: Ein Kriminalroman vom Feinsten

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Lisa Graf-Riemann: Eisprinzessin, Oberbayern Krimi, Emons 2013

Lisa Graf-Riemann: Eisprinzessin, Oberbayern Krimi, Emons 2013

Vor zwei Jahren ließ Lisa Graf-Riemann ihren Kommissar Stefan Meißner am Ende ihres zweiten Oberbayern Krimis Donaugrab mit seiner Ex-Freundin im Kreißsaal zurück und uns im Unklaren, welchen Lauf sein Schicksal nehmen würde. Nicht zuletzt deshalb wartete die treue Leserschaft bereits auf den dritten Fall des Ingolstädter Kriminalen, denn das komplizierte Privatleben dieses lonely wolf spielte schon eine nicht unerhebliche Rolle, als er im Fall der schönen Leich, Graf-Riemanns spannendem Krimi-Debüt, ermittelte und spannt so einen Bogen zwischen den einzelnen Teilen der jetzigen Trilogie. Es sind diese privaten Verstrickungen des Protagonisten, die ebenso spannend zu verfolgen sind wie die Kriminalfälle, bei denen der Herr Kommissar allerdings über einen weit besseren Instinkt verfügt als beim Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.

Kommissar Meißners dritter Fall

In der Eisprinzessin blickt Graf-Riemann hinter die Fassade einer Ingolstädter Unternehmerfamilie und lässt diese Fassade Stück für Stück bröckeln. »Unter jedem Dach gibt’s ein Weh und Ach« – so auch in der Familie der ehemaligen Eisprinzessin Charlotte. Als Kind konnte die Tochter eines Kühlhausbesitzers ihr Zimmer im villenartigen Zuhause regelmäßig mit Eislauf-Pokalen dekorieren und nun, als verheiratete Frau, ist sie plötzlich verschwunden. Freiwillig oder unfreiwillig? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Die ihres Vaters, Bruders und ihres unstandesgemäßen Ehemannes, aber auch die des Kommissars Meißner und seines neuen übereifrigen – und noch dazu »frängischen« – Kollegen, der sich des Falls in Rambo-Manier bemächtigt. Sehr eindrücklich schildert Graf-Riemann die Verstrickungen der einzelnen Familienmitglieder, während die Ereignisse fortschreiten und sich die Geschichte erst nach und nach zum Kriminalfall entwickelt. Spannend ist dabei auch der »Wettlauf« der Kommissare um die Lösung und die Gunst der gemeinsamen Kollegin Marlu.

Graf-Riemann legt erneut meisterlich Fährten, mit denen sie ihre Ermittler und Leserschaft immer wieder auf die falsche Spur lockt. Sie ist eine sehr genaue Beobachterin und Kennerin von Land und Leuten und lässt in ihrer ganz eigenen bilderreichen Sprache die Welt ihrer Figuren entstehen. Der Wechsel zwischen den realistischen und genauen Darstellungen der Außen- und (kriminalistischen) Alltagswelt und der teils von einer melancholischen Poesie durchdrungen Schilderungen der Innenwelt ihrer Charaktere macht für mich das Reizvolle an Graf-Riemanns Kriminal-Romanen aus.

»Fleißiges Lieschen« ;-)

Dass die Autorin seit Kommissar Meißners zweitem Fall keineswegs untätig war, klingt in der Eisprinzessin ebenfalls an. Eine kurze augenzwinkernde Erwähnung findet nicht nur das Hirschgulasch, das sie mit Ottmar Neuburger zwischenzeitlich zu einem hochfeinen und -spannenden Kriminalroman angerichtet hat. Auch ihre Arbeit an der Länderdokumentation Spanien 151 fand ihren Niederschlag im jüngsten Werk, wo Kommissar Meißner am Ende typisch spanische, namenlose Klingelschilder kennenlernt. Eine von vielen überraschenden Wendungen, welche die Eisprinzessin zu einer sehr anregenden Lektüre machen.

PS: Wer die ersten Bände der Trilogie nicht kennt, kann inhaltlich problemlos beim dritten Fall einsteigen, hat aber natürlich dennoch etwas verpasst ;-)

tl;dr

Spannend, geistreich geschrieben, in einem Rutsch durchgelesen, sehr empfehlenswert.

***

Lisa Graf-Riemann
Eisprinzessin
Oberbayern Krimi
Broschur, 224 Seiten
Emons Verlag Köln, 2013
ISBN 978-3-95451-072-6
9,90 Euro

arbeitet als selbstständige Projektmanagerin für Kunden aus der Kultur-, Verlags- und Medienbranche. Ihr Leistungsspektrum umfasst die Konzeption von Kulturvermittlungsprojekten und (Social-)Web-Präsenzen, Redaktion, Text und Webdesign. Seit 2009 beschäftigt sie sich intensiv mit den interaktiven Möglichkeiten des Social Web für Kultureinrichtungen, schreibt Artikel und hält Vorträge zu diesem Thema und co-organisiert seit 2012 die KultUp-Kultur-Tweetups. Sie betreibt das private Klassik-Blog WDRSOfan und ist im Web auch hier zu finden: Website | Facebook | Twitter | Google+ | Xing

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