Neulinge, die erste Schritte in die Social-Media-Welt unternehmen möchten, bekommen immer als Ratschlag mit auf den Weg: »Seid authentisch. Verhaltet euch bei der Kommunikation oder eurer Darstellung im (Social) Web nicht anders, als im normalen Leben auch.«
Privatpersonen mögen den Rat, »unmittelbaren Schein und eigentliches Sein in Übereinstimmung zu bringen«, einfacher befolgen zu können als Unternehmen oder Kultureinrichtungen. Letztere fragen sich zumeist erst einmal, wer für die Institution denn überhaupt sprechen soll oder darf und mit welcher »Stimme«. An dieser Stelle droht der Pfad der Authentizität meist schon wieder verlassen zu werden. Denn ein Unternehmen oder eine Kultureinrichtung besteht nun einmal aus (vielen) Mitarbeitenden. Sie alle haben bereits eine Stimme, die im besten Fall zu hören sein sollte.
Wie soll das gehen?
Das Stadtmuseum Penzberg bei München hat auf hervorragende Weise gezeigt, wie man mit vielen unterschiedlichen Stimmen authentisch und einstimmig kommunizieren kann:
[Video vom Filmatelier Vogl & Hentschel]
Auf der Website des Museums heißt es schlicht:
»Mitarbeiter des Museums beschreiben in einem kurzen Film ihre Eindrücke und Bemühungen zum Werk Heinrich Campendonks, dem Ausstellungsschwerpunkt 2011.«
Kunst und Mensch
Der kurze Blick hinter die Kulissen vermittelt dabei aber nicht nur: »Schaut her, was wir zu bieten haben, und kommt alle herbei, es euch anzuschauen!«
Obwohl sich alles um einen Künstler und seine Werke dreht, spielt nicht die »hohe Kunst« die Hauptrolle in diesem Film, sondern die Menschen, die sich mit ihr beschäftigen. Sie erzählen uns, was sie an Heinrich Campendonk und seinen Bildern interessiert. Es kommen alle zu Wort, die mit der Ausstellung in Verbindung stehen: Museumsleitung, Architekt, Hausmeister, Expertin für Rahmungen, Museumsaufsicht, eine junge Workshop-Teilnehmerin. Ungeachtet dessen, ob sie über Leben und Werk des Künstlers zuvor bestens informiert waren, ihn nur vom Namen oder gar nicht kannten.
Persönlich und verbindlich
Mit der Schilderung ihrer persönlichen Eindrücke beantworten sie gleichzeitig die Fragen: »Warum soll ich mir das anschauen? Was habe ich davon?«
Ich sehe, dass es »ganz normale« Menschen sind, die sich im Stadtmuseum Penzberg mit Kunst beschäftigen, die sie offensichtlich nicht unberührt lässt. Ich höre, was diesen Menschen bei der Beschäftigung mit dem Künstler und seinem Werk durch den Kopf ging. Sie persönlich laden mich zu einem Ausstellungsbesuch ein, um herauszufinden, welche Wirkung die Bilder wohl auf mich haben. Und gleichzeitig laden sie mich zu einem Besuch bei ihnen ein – beim Museum, das mit vielen (sympatischen und authentischen) Stimmen eine Sprache spricht.
Weitere Informationen über das Stadtmuseum Penzberg und seine Aktivitäten im Social Web:
- Stadtmuseum Penzberg bei Facebook
- “Twittern im Museum” – 3 – Tweetup im Stadtmuseum Penzberg
- Newcomer im “Blauen Land”: das Stadtmuseum Penzberg realisiert als erstes bayerisches Museum eine App

17. Oktober 2011 um 10:05 Uhr
Ist natürlich auch inszeniert und deshalb nur bedingt authentisch. ;-) Nichtsdestotrotz finde ich es toll, dass ganz unterschiedliche MitarbeiterInnen zu Wort kamen und nicht nur Direktorin und Kurator, wie das bei anderen Kultureinrichtungen oft der Fall ist.
17. Oktober 2011 um 10:41 Uhr
Ich verstehe deinen Einwand. Natürlich ist der Film inszeniert. Aber auch diese Inszenierung funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn eine authentische Grundhaltung dahinter steht und glaubhaft vermittelt wird. In diesem Fall: Das Museum sind wir und deshalb kommen selbstverständlich auch alle zu Wort. Dieser Kern wird, so hoffe ich, keine Inszenierung sein. Von daher plädiere ich doch für »authentisch« ;-)