UCW und Atelierhaus in Berlin müssen bleiben!

| Keine Kommentare

Christine Schmidt | pixelio.de

Christine Schmidt | pixelio.de

Das Berliner UCW – Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum ist seit sieben Jahren im ehemaligen Gesundheitsamt, Sigmaringer Straße 1, in Charlottenburg-Wilmersdorf angesiedelt. Seit 2006 befindet sich dort auch das Atelierhaus sigmaringer1art. Außerdem ist die Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek des Stadtteils in diesem Gebäude zu finden.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich die Adresse Sigmaringer Straße 1 nicht nur zu einem lebendigen kulturellen Zentrum, sondern auch zu einem Wirtschaftsfaktor im Kiez und zu einem frauenpolitischen Aushängeschild Berlins entwickelt.

»Tür an Tür arbeiten hier gut 70 internationale Künstler und Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Übersetzerinnen, Architektinnen, Therapeutinnen, Versicherungskauffrauen, Tänzerinnen, Touristikerinnen, Rechtsanwältinnen und viele mehr.  Die fünf Stockwerke des Hauses sind bunt und vielfältig.  Die Unternehmerinnen und KünstlerInnen vernetzen sich, tauschen sich aus, kooperieren im Haus und über das Haus hinaus mit anderen Projekten. Durch zahlreiche Frauennetzwerke, die ebenfalls im Haus beheimatet sind, entstehen Projekte in Berlin und bundesweit. Regelmäßige Veranstaltungen bereichern auch das Kiezleben: Sommerfeste, Lesungen, Workshops, Tanzwochenden, Tag der offenen Ateliers, Unternehmerinnenmesse – auch das Café, das es seit zwei Jahren im Eingangsbereich gibt, lädt zum miteinander ins Gespräch kommen ein.« [Quelle: sigmaringer1.wordpress.com]

Trotz Fleiß kein Preis

Gerne hätte ich an dieser Stelle darüber berichtet, dass das UCW am kommenden Donnerstag, dem Internationalen Frauentag, eine Auszeichnung erhält für sein großes Engagement, die soziokulturell wertvolle Arbeit und den erfolgreichen Brückenbau zwischen Kultur und Wirtschaft.

Stattdessen soll am 8. März (Ironie des Schicksals?) von der Bezirksverwaltung darüber entschieden werden, ob die Immobilie Sigmaringer Straße 1 verkauft wird.

»Wird das Haus verkauft, wird der Investor die Immobilie abreißen und das Grundstück in Toplage gewinnbringend vermarkten«,

meint Barbara Brecht-Hadraschek im Interview mit »expertinnen-web.de«.
Vom drohenden Verkauf ihres Hauses vollkommen überrascht, informieren die Unternehmerinnen und Künstlerinnen gerade via Blog und Medien über ihre Arbeit und das aus ihrer Sicht skandalöse Ansinnen.

Mit dem Verkauf der Immobilie würde der Bezirk nach Meinung Barbara Brecht-Hadrascheks nicht einmal besonders viel »verdienen«, da der größte Teil des Erlöses an das Land Berlin ginge und mit anderen Bezirken noch geteilt werden müsse. Derzeit entstünden dem Bezirk keine Kosten, da die Unternehmerinnen marktübliche Mieten zahlen, die Immobilie instand halten und zusätzlich das soziokulturelle Leben und die Wirtschaft im Kiez fördern:

»Aus unserer Sicht verliert der Bezirk mehr als er gewinnt. Denn wir sind im Kiez ja auch ein Wirtschaftsfaktor, viele Teilnehmer von Veranstaltungen treffen sich danach in der anliegenden Gastronomie, wir sind Dienstleister für den Kiez und fragen natürlich auch Dienstleistungen im Kiez nach, kaufen hier ein, beauftragen andere. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt finde ich aber vor allem den Aspekt der Vernetzung wichtig. Da ist das Haus eine so spannende, zentrale Institution geworden. Die Unternehmerinnen und Künstler/innen vernetzen sich, tauschen sich aus, kooperieren im Haus und weit über das Haus hinaus mit anderen Projekten. Durch die Frauennetzwerke entstehen Projekte in Berlin und bundesweit. Regelmäßige Veranstaltungen bereichern auch das Kiezleben: Sommerfeste, Lesungen, Tanzwochenden, Seminare, Vorträge, QuiGong, Tag der offenen Ateliers, Malworkshops für Kinder, Schreibseminare, Unternehmerinnenmesse…

Die Vorstellung, dass das alles sang- und klanglos verschwinden soll, ist eigentlich ein Skandal.« [Quelle: expertinnen-web.de]

Falsches Signal

Diese Auffassung teile ich voll und ganz. Wenn dieses Projekt in Gefahr geriete, hätte das aus meiner Sicht auch eine fatale gesellschaftliche Signalwirkung.
Es würde nämlich bedeuten, dass selbst (Kultur-)Projekte in Gefahr sind, die nicht »von der öffentlichen Hand leben«, sondern – ganz im Gegenteil – sogar nach marktwirtschaftlichen Prinzipien »funktionieren«. Die seitens der Kulturpolitik lauter werdende und dringende Forderung an Kreative und Kulturschaffende, wirtschaftlich zu denken und zu handeln, würde konterkariert. Denn wenn sie das erfolgreich tun, wie in diesem Fall das UCW, sollten sie sich zumindest darauf verlassen können, dass sich der Staat als langfristig verlässlicher Vermieter erweist, der nachhaltiges Wirtschaften fördert und es kurzfristiger (und -sichtiger) Gewinnmaximierung vorzieht.

Ich unterstütze daher den Protest des Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrums und hoffe sehr, dass die Bezirksregierung Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf am 8. März eine kluge und weitsichtige Entscheidung zugunsten der kreativschaffenden Unternehmerinnen und der Berliner BürgerInnen treffen wird.

Und: Action!

Wer das UCW unterstützen möchte, kann sich zum Beispiel an der Unterschriftenaktion beteiligen, bei der allerdings höchste Eile geboten ist, da die Unterschriften bereits am 5.3. übergeben werden sollen.

Außerdem bittet Barbara Brecht-Hadraschek vor allem um eines:

»Wir brauchen vor allem Öffentlichkeit. Wer die Möglichkeit hat, das Thema weiterzutragen, bitte tut das!«

In diesem Sinne bitte ich auch meine NetzwerkpartnerInnen, um Verbreitung und Unterstützung dieses Anliegens.

Das UCW informiert auf seinem Blog ständig über die aktuellen Ereignisse:
Sigmaringer 1 – Unternehmerinnenzentrum und Atelierhaus 

arbeitet als selbstständige Projektmanagerin für Kunden aus der Kultur-, Verlags- und Medienbranche. Ihr Leistungsspektrum umfasst die Konzeption von Kulturvermittlungsprojekten und (Social-)Web-Präsenzen, Redaktion, Text und Webdesign. Seit 2009 beschäftigt sie sich intensiv mit den interaktiven Möglichkeiten des Social Web für Kultureinrichtungen, schreibt Artikel und hält Vorträge zu diesem Thema und co-organisiert seit 2012 die KultUp-Kultur-Tweetups. Sie betreibt das private Klassik-Blog WDRSOfan und ist im Web auch hier zu finden: Website | Facebook | Twitter | Google+ | Xing

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.