Wie Orchester Twitter sinnvoll nutzen können

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Es gibt für Orchester viele Möglichkeiten, den Microblogging-Dienst Twitter sinnvoll für sich zu nutzen. Orchester aus dem angelsächsischen Raum kommunizieren schon längst äußerst erfolgreich über diesen Kanal mit ihrem Publikum und lassen es mit besonderen Aktionen hinter die Kulissen blicken.

BBCPhilharmonic on tour

So twitterten zum Beispiel verschiedene Orchester- und Managementmitglieder des BBC Philharmonic Orchestra während einer Tournee des Orchesters, um dem Publikum die Tournee-Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zu schildern (hier ein Bericht und ein Interview zur Aktion im Blog »Kultur 2.0«).

LSO on tour 1912

@LSOontour1912

@LSOontour1912, der historische Tournee-Twitter-Account des London Symphony Orchestra

Das London Symphony Orchestra ließ im Frühjahr seine erste Amerika-Konzerttournee aus dem Jahre 1912, die es glücklicherweise doch nicht mit der Titanic angetreten hatte, 100 Jahre später über den Twitter-Account @LSOontour1912 nochmals Revue passieren. Die Tweets stammten aus dem Tournee-Tagebuch eines Kollegen, durch dessen Beschreibungen die Tournee auf einzigartige Weise nochmals zum Leben erweckt und von vielen Interessierten verfolgt wurden.

#Asktheorchestra

Interview-Formate wie »Ask The Orchestra«, bei denen Mitglieder verschiedener Orchester Fragen aus der Twitter-Gemeinde beantworten, haben mittlerweile auch hierzulande ihre Anhängerschaft gefunden. Zuletzt organisierte das Beethovenfest Bonn erfolgreich eine solche »Fragestunde« (einige der Fragen und Antworten sind hier nachzulesen und hier gibt es eine Zusammenfassung).

Orchester-Tweetup

Es gibt aber auch noch eine viel unmittelbarere Art, wie ein Orchester seine Arbeit mithilfe von Twitter präsentieren und mit seinem (potenziellen) Publikum ins Gespräch kommen kann – auch wenn es selbst bei Twitter gar keinen eigenen Account hat. Meine Kooperationspartnerin Ulrike Schmid und ich haben es mit unserer Kulturinitiative »KultUp – Tweet up your cultural life!« im September mit der Organisation eines Tweetup bei einer öffentlichen Probe des hr-Sinfonieorchesters erstmals erfolgreich ausprobiert.

Kultur-Tweetup beim hr-Sinfonieorchester | Foto: Laura Rodriguez (hr)

Twitterer waren eingeladen, vor Ort im hr-Sendesaal oder online die Werkstattprobe und Aufführung von »Till Eulenspiegels lustige Streiche« mitzuerleben und über ihre Beobachtungen und Eindrücke zu twittern. Das hr-Orchestermanagement hat sich als sehr experimentierfreudig erwiesen und beantwortete während des Tweetup die Fragen der Twitterer zum Orchester und zur Musik. Auch die hr-Onlineredaktion begleitete das Event und twitterte über den reichweitenstarken Twitter-Account @hronline während des Events mit. Alleine am Tag des KultUp-Events kamen 400 Tweets zusammen, mit denen rund 65.000 Personen erreicht wurden. Das Orchester war allerdings auch schon in den beiden Wochen zuvor, als wir den Tweetup ankündigten und die Twitter-Community kontinuierlich mit Informationen rund um das Event versorgt haben, Gesprächsthema bei Twitter.

@orchestrasfan

Und das wird es erfreulicherweise auch bleiben, denn dieser Tweetup war Anstoß für ein neues Projekt, das im Blog orchestrasfan.de gerade seinen Anfang genommen hat.

Die »ganze Geschichte« dazu habe ich ausführlich im »Märchen von KultUp und dem hr-Sinfonieorchester« im KultUp-Blog erzählt und dort von der faszinierenden Dynamik berichtet, die Projekte im Social Web entwickeln können.

Gehaltvolles Kulturgezwitscher

Twitter mag zwar das flüchtigste aller Social Media sein und es haftet ihm teils immer noch der Ruf an, man unterhalte sich dort nur über Belanglosigkeiten wie den Kaffeekonsum. Richtig eingesetzt, kann dieses Medium aber ein ungeheures Potenzial entwickeln, das nicht nur Orchester, sondern alle Kultureinrichtungen sinnvoll zur Kontaktaufnahme, -pflege und Kommunikation mit ihrem (zukünftigen) Publikum für sich nutzen können.

 

arbeitet als selbstständige Projektmanagerin für Kunden aus der Kultur-, Verlags- und Medienbranche. Ihr Leistungsspektrum umfasst die Konzeption von Kulturvermittlungsprojekten und (Social-)Web-Präsenzen, Redaktion, Text und Webdesign. Seit 2009 beschäftigt sie sich intensiv mit den interaktiven Möglichkeiten des Social Web für Kultureinrichtungen, schreibt Artikel und hält Vorträge zu diesem Thema und co-organisiert seit 2012 die KultUp-Kultur-Tweetups. Sie betreibt das private Klassik-Blog WDRSOfan und ist im Web auch hier zu finden: Website | Facebook | Twitter | Google+ | Xing

2 Kommentare

  1. Ich bin der Meinung, das Twitter wohl eher in Übersee sehr hoch im Kurs steht, ein Unternehmen und eine Organisation jedoch diesen Kanal der Social Marketing nicht auslassen sollte, um Interessierten und Zuhörer anzusprechen. Nur durch die starke Verzweigung im Netz schafft es die eigene Website nach oben in den Rankings. Twitter und Facebook wie auch Google Plus leben vor allen Dingen von einer regelmäßigen und fürsorglichen Pflege der eigenen Kontakte.

    • Vor allem den letzten Punkt kann ich nur unterstreichen. Wobei das Ziel, Kontakte via Social Media aufzubauen und zu pflegen meiner Meinung nach weniger Marketingzwecken, sondern vielmehr ernst gemeinten und langfristigen Public Relations dienen sollte. Twitter- und Facebook-Accounts, über die reines Marketing betrieben wird, gibt es meiner Meinung nach nämlich mehr als genug. Dagegen sind – vor allem im Kulturbereich – diejenigen rar gesät, die mit dem Publikum tatsächlich in (kontinuierlichen) Dialog treten (wollen).

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